Märkische Allgemeine, 19. 10. 1998Wortlose Sprache verstanden. Zwei Pantomimen à la Marcel Marceau in derTemnitzkircheNetzeband. Zwei schwarze Gestalten schleichen sich leise auf die dunkle, schmucklose Bühne
der Temnitzkirche in Netzeband. Der Saal ist am Freitag und Sonnabend voll besetzt. Musik
per Lautsprecher ist zu hören, und langsam wird es heller: Das „Théâtre Mimo Magique“
beginnt. Wortlos ist die Sprache der zwei Künstler Alexander Neander (Paris) und Wolfram
v. Bodecker (Berlin). Sie sind Meister der Pantomime. Ihr Vorbild und Lehrer ist der
berühmte francése Schauspieler und Vertreter der tänzerischen Schauspielpantomime, Marcel Marceau. Mit weiß angemalten Gesichtern, zwei schwarz geschminkten Kulleraugen und
roten Mündern agieren die Künstler elegant und spielerisch fast ohne Hilfsmittel durch
Gestik und Mimik. Auf der Bühne ist es still und im Zuschauerraum auch. Ein ungewöhnliches
Erlebnis für viele Gäste. In den ersten Darbietungen wie die „Wassermusik“ oder
„Seifenblasen“ hat das Publikum zunächst eine Art Eingewöhnungsphase an die stille Kunst
zu absolvieren. Doch der Zauber der inneren Sprache beginnt zu wirken und führt spätestens
beim theatralischen Geschehen einer Dirigentenpantomime, „Das Orchester“, zu herzhaftem,
befreienden Lachen. Alle folgenden sieben Programmnummern sind nur noch als
Steigerungsstufen zu erleben. „Salz in der Suppe“ wird zu einem turbulenten Zweikampf
zwischen Kellner und Gast. Temporeich ist die Verfolgungsjagd auf 'gemimten' Rolltreppen,
Fahrstühlen, zu Pferde und im Auto. Demgegenüber steht die tragikomische Psycho-Szene „Der
Maskenmacher“. Der Mensch setzt sich Masken auf, die weinende, die lachende, die
verdrießliche, die zornige. Doch dann geht auf einmal die lachende Maske nicht mehr
abzulösen. Verzweifelt ringt der Gebannte, sie loszuwerden. Als es ihm endlich gelingt,
erscheint ein elend erschöpftes Gesicht. Begeistert klatschte das Publikum Beifall und war
erst nach mehreren Zugaben für den Heimweg bereit. Erika Fichtner |