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Out Of The Blue

Neues Deutschland, 8/30/2002

Mann statt Kontrabass – Meisterhafte Pantomime im Hackeschen Hoftheater

Am Anfang steht nur eine Kontrabasskiste auf der Bühne des Hackeschen Hoftheaters, und auch am Ende bleibt nur der Groß-Instrumenten Koffer übrig. Dazwischen haben die Pantomimen Wolfram v. Bodecker und Alexander Neander mit fast magischem Geschick vorgeführt, worin sich eine Kontrabasskiste alles verwandeln kann. Das Duo "Théâtre Mimo Magique" beherrscht sein Handwerk sogar so gut, dass man glaubt, das Utensil müsste sich genau jetzt in ein Klavier, eine Badewanne, eine Telefonzelle, ein Büro oder in eine landschaftliche Erhebung verwandeln. Ursprung der Geschichte von „Out Of The Blue“ ist ein Mangel. Der Mangel eines Kontrabasses. Statt des Instruments befindet sich in dem Transportbehältnis ein Mann. Im Laufe der 75 Minuten lernen sich der Musiker und der blinde Passagier in diversen Slapstickeinlagen besser kennen und verbünden sich dann auf der Suche nach dem verschollenen Kontrabass. Nach fehlgeschlagenen Telefon- und Plakataktionen fällt ihnen ein abgegriffenes Büchlein in die Hände. Fortan züchten die neuen Alchimisten Musikinstrumente. Wie es ihnen schließlich gelingt, zum Erfolg zu kommen, soll hier nicht verraten werden. Aber durchaus zu empfehlen ist es, sich dieser fantastischen Reise anzuschließen. Denn nur mit wenig Utensilien und einer akkuraten Körpersprache verzaubern die sich auf Marcel Marceau berufenden Mimen ihr Publikum. Sie versetzen es ins Meer, in die Luft, lassen es trauern und lachen. Herausragendes Element ist eine simple Plastikfolie, die zu einer Wolke aufgebauscht ist, blitzschnell aber auch zu einer einzelnen Woge oder zum tosenden Meer werden kann. Die Assoziationen sind wild und chaotisch, und doch fügen sie sich am Ende in die Struktur des Mimodramas – eines mit pantomimischen Mitteln erzählten dramatischen Vorgangs.

Tom Mustroph