Landeszeitung Lüneburger Heide, 8/31/2004Leben im Kontrabass-Koffer Gastspiel des Pantomimen-Duos „Théâtre Mimo Magique“ in BarnstedtBarnstedt. Im Roman, im Film werden Flugzeugabstürze erfreulich oft überlebt. So jetzt
in Barnstedt, wo so ein Abgestürzter mitten in einem alten Schafstall unter anhaltendem
Protest einheimischer Schwalben jene Bretter betritt, die das Überleben bedeuten. Es sind
sogar zwei Überlebende, denn aus dem mitgeretteten Kontrabass-Koffer kommt nicht das
geliebte Schrumm-Instrument, sondern tritt ein bis dato blinder Passagier heraus. Genug
Stoff für ein Stück, das „Out Of The Blue“ heißt und 80 Minuten Kurzweil bietet. Als
„Théâtre Mimo magique“ treten Alexander Neander und Wolfram von Bodecker auf. Beide
stammen aus der Schule von Marcel Marceau und beherrschen ihr Handwerk auf fesselnde
Weise. Zum dritten Mal sind die Pantomimen in Barnstedt, es gibt kaum genügend Sitzplätze
für das Publikum aller Altersklassen. Rund um die Sehnsucht nach dem Kontrabass beginnen
die Gestrandeten sich zu kabbeln, zu überlisten und zu versöhnen. Die Geschichte besteht
aus lauter Geschichtchen, und ständig bekommt das Geschehen einen neuen Dreh. Neander und
von Bodecker gehen aus von de klassischen Pantomime, bauen aber andere Genres ein, sie
bieten puren Slapstick, verzaubern mit Schwarzlichttheater, lassen ein wenig Magie
einfließen und zeigen, wie kreativ mit Requisiten umgegangen werden kann. Der Kontrabasskoffer taugt als Badewanne, als Telefonzelle und schließlich als Boot. Das Segel wächst,
wandelt sich in eine Welle und ins alles verschlingende Meer. Licht, Musik und
Klangeffekte wie beim Spiel auf der Luftflöte sind genau auf die Akteure abgestimmt. Es
entwickelt sich ein Theater der Blicke und der Gesten, des Absurden und Konkreten, der
fließenden Übergänge und der überraschenden Brüche. Dabei sind es die kleinen, fast
versteckten Momente, die dem Abend Tiefe geben. Am Ende erntet das Theaterduo großen
Applaus, Gastspiel vier darf in Planung gehen. |