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Out Of The Blue

Berliner Morgenpost, 11/28/2006

Wo bitte geht's zum Kontrabass?

Ein ungleiches Paar auf der Suche nach einem verschollenen Kontrabass. So beginnt eine außergewöhnliche, poetische Reise zwischen Realität und Imagination. Alexander Neander und Wolfram von Bodecker, die beiden Meisterschüler der Pantomimenlegende Marcel Marceau benötigen kein einziges Wort für eine der besten Inszenierungen dieses Jahres. Ihre exakte Gestik und ausdrucksstarke Mimik erzählen mehr als manche geschwätzige Waschfrau an ihren dollsten Tagen. In nur 75 Minuten entfesseln sie mit "Out of the Blue" ein wahres Bühnenspektakel. Die Sehnsucht nach dem Instrument stellt sie vor immer neue Herausforderungen. Sie versuchen es mit Steckbriefen und Zaubertränken. Die Stummfilm-Musik deutet es schon an: Die kleine Geschichte mausert sich zur ausgewachsenen Odyssee. Mit hintergründigem Humor, Slapstick, ein Schuss Tragik und überraschenden visuellen Effekten. Traumhaft. Mit ihrer Theatermagie schlagen die Pantomimen jeden in den Bann.
Sein heiteres Gegenüber und Alter Ego (Wolfram v. Bodecker), das am Ende zunehmend zum Kontrabass mutiert. Mit sicherem Gefühl für Rhythmus und Steigerung spielen sich die drei Ideen und Assoziationen in die Hand. Sie nehmen sie auf, führen sie weiter und ad absurdum. Die Geschichte der Suche nach dem Instrument ist dabei irrelevant, auf sie hätte man auch verzichten können. Was in Erstaunen versetzt (und auf diesen Effekt zielt dieses Theater aus der Schule des Altmeisters Marcel Marceau), ist die Komik und Poesie der Situationen. Wie einer in einer horizontal liegenden Telefonzelle telefoniert. Wie gemimtes Musizieren und abgespielte Musik eine Weile perfekt harmonieren, um dann eigensinnige Wege zu gehen.
Großer Applaus im kleinen Hackeschen Hoftheater. Er verstummt noch einmal, als Neander Anstalten macht, zum Sprechen anzusetzen. Wird er es wirklich wagen, uns aus der wortlos verständlichen Welt herauszureißen? „Sagen Sie Ihren Freunden, sie sollen, wenn sie herkommen, was ganz Leichtes anziehen.“ Werden wir tun.

boro